DEFINITIV IST HEILERZIEHUNGSPFLEGE MEINE BERUFUNG.

Gastbeitrag: Heilerziehungspflege & Wohngruppenleitung

Doreen Heilerziehungspflege Burnout
soziale Berufe

Hallo Du!

Heute bekommst Du wieder einen spanenden Einblick in den Arbeitsalltag eines Pflegeberufes. Dieser Gastbeitrag stammt von der 37-jährigen Heilerziehungspflegerin Caro.

Caro arbeitet seit über 15 Jahren in einer Wohnstätte für behinderte Menschen, die das Zuhause dieser Bewohner:innen ist. Seit über sechs Jahren ist sie Gruppenleiterin in dieser Wohnstätte.

Caro hat eine Tochter und lebt mit ihrem Partner zusammen, der ebenfalls ein Kind mit in die Beziehung gebracht hat.

Aktuell studiert Caro parallel Soziale Arbeit und wird perspektivisch die Leitung der kompletten Wohnstätte übernehmen.

Caro ist seit längerer Zeit eine treue Abonnentin meines Instagram-Kanals. Sie kommentiert sehr häufig meine Beiträge, gibt mir immer Zuspruch und ich fühle mich von ihr total abgeholt. Ich habe Caro als liebe, zurückhaltende und vor allem über die Maße verständnisvolle Person kennengelernt.

Kurz vor Weihnachten 2020 sendete mir Caro eine Sprachnachricht, in der sie mir Rückmeldung zu meiner Thematik, zur sozialen Berufung, gab.

Sie sprach darüber, dass gerade in solchen Extremsituationen auffällt, was soziale Berufung bedeutet. Sie persönlich fühlt sich sozial berufen, weil sie sich mit ihrer Wohngruppe so sehr verbunden fühlt.

Ihre Nachricht hat mich sehr berührt und ich möchte sie daher gerne mit Dir teilen.

Mein Beruf ist meine Berufung

Es war schon immer genau „meins“ – die Arbeit. Ich mache sie gerne und ich kann mir nichts anderes vorstellen.

Trotzdem bin gerade dabei, mich zu ändern: Ich versuche, nicht mehr so viel mit nach Hause zu nehmen. Und nicht zu viel zu investieren. Von mir selbst.

Ich habe mich schon oft gefragt, was wäre, wenn ich Krankenschwester wäre? Hier lernt man immer wieder neue Menschen kennen. Aber dem Grunde nach, ist es auch hier nichts anderes, als in meinem Beruf: Man ist ständig in Gedanken, wie es den Patient:innen wohl morgen geht.

Für mich ist es – gerade in Zeiten von Corona – definitiv Berufung. Es ist kein Job. Weil man sich ständig Gedanken macht und hofft, dass alle Menschen durchkommen: Die Bewohner:innen. Die Kolleg:innen.

(CARO)
Heilerziehungspflege ist Berufung

Abschalten ist nicht

Ich kann dann nicht eben mal so abschalten. Das geht einfach nicht. Nicht in solch einem Ausnahmezustand.

Vor Kurzem erst hatte ich Geburtstag. Aber ich kann in so einer Situation doch dann nicht sagen: „So, jetzt ist mein Geburtstag. Ich setze mich jetzt hier hin und freue mich darüber.“ Nicht, wenn Corona wütet und zwei meiner Klientinnen kurz davor sind, keine Luft mehr zu bekommen.

Nicht, wenn meine Kolleg:innen daneben stehen und alles miterleben müssen. Nein, das kann ich nicht.

(CARO)

Meine Kollegin meinte, ich soll doch mal abschalten. In anderen Situationen könnte ich das sicher. Aber nicht in so einem Moment.

In so einem Moment möchte ich bei meinem Team sein und sie unterstützen.

Zitat
John Ratzenberger – Klick auf das Bild.

Für das Team da sein – wenn auch nicht körperlich

Aktuell habe ich mir an Tagen, an denen ich zu Hause bin, angewöhnt, einmal pro Tag meine Kolleg:innen anzurufen. Immer zu den Übergabezeiten. Das Telefon wird dann auf Lautsprecher gestellt, sodass wir mit der Früh- und der Spätschicht alles besprechen können, was ansteht: Was ist los? Was gibt es? Wie ist es gerade?

Für mich ist das total wichtig. Meine Kolleg:innen wissen dann, dass ich “bei ihnen” bin.

Nochmal Glück gehabt in der Heilerziehungspflege

In der Wohnstätte haben wir es gefühlt überstanden. Ich glaube, dass es in den Krankenhäusern noch viel schlimmer ist. Gerade auf reinen Corona-Stationen.

Zwei aus unserer Gruppe sind gerade noch im Krankenhaus auf der Corona-Station. Und man merkt, wie angespannt das Personal dort ist. Trotzdem sind alle sehr freundlich am Telefon.

Wir für unseren Teil haben noch Glück gehabt. Ich hoffe, es bleibt so. Trotzdem war es eine sehr intensive Zeit. Ich weiß, dass alles richtig war, wie wir es gemacht haben. Und unser Team weiß das ebenfalls.

Auch wenn es sich doof anhört: Es war wichtig, dass es so war, wie es war.

(CARO)

Und es ist richtig, jetzt wieder etwas runterzufahren. Wir wissen, dass wir in Krisensituationen füreinander da sind.

Ist es verkehrt, dass man so denkt? Ich weiß es nicht. Für mein Gefühl ist es aber definitiv besser so. Ich fühle mich besser damit.

Momentan sind wir alle negativ getestet. Wir hoffen, dass die beiden Damen bald wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden und stabil sind. Damit wir endlich wieder abschalten können. Damit alles überwunden ist.

Dann kann ich auch wieder sagen: Feierabend ist Feierabend.

Weihnachten mal anders

Jetzt freue ich mich erst einmal auf Weihnachten. Morgen habe ich frei und werde ganz viel kochen. Ich freue mich ganz doll aufs Kochen, mich abzulenken und ganz viele schöne Momente mit meiner Familie zu verbringen.

Das wird das erste Weihnachten, das wir alleine feiern. Ohne meine Eltern. Ich möchte meine Eltern nämlich auf keinen Fall anstecken – nur für den Fall, dass doch was sein sollte.”

Doreens Fazit

Berufung in der Heilerziehungspflege

Der Bericht von Caro ist kein Einzelfall. Gerade auch in der Heilerziehungspflege fühlen sich Menschen berufen. Es ist ihre Berufung sich sozial zu engagieren. Auch in der Heilerziehungspflege berichten mir viele Fachkräfte von persönlichen Ausnahmesituationen bei der Arbeit. Hier ist es wichtig, achtsam zu bleiben – auch mit den eigenen Emotionen.

Natürlich sind wir Menschen unterschiedlich. Ja, Arbeit sollte nicht mit nach Hause genommen werden. Aber ist das immer realistisch?

Zeichnet es uns im sozialen Bereich nicht gerade aus, dass wir persönliche Kompetenzen mitbringen und somit die professionelle Tätigkeit individuell aufwerten?

Songtext - Heilerziehungspflege
“Nur noch kurz die Welt retten” (Tim Bendzko) – Klick auf das Bild.

Im Umkehrschluss gibt es auch Erfahrungen, die uns nach Feierabend weiter beschäftigen. Hier gilt es eine Balance zu finden.

  • Wir können die Welt nicht “retten.”
  • Es ist ein Zeichen gesunder Empathie, wenn uns persönliche Geschichten berühren.
  • Du darfst auch mal wütend, traurig oder enttäuscht sein, wenn bei der Arbeit nicht alles gut gelaufen ist.

Finde ein Ritual, um diese Erlebnisse zu bewältigen.

(Doreen)

Vorschlag für Rituale zum Feierabend – nicht nur für Heilerziehungspflegerinnen

Der Bericht von Caro zeigt, dass vor allem in der betreuten Wohngruppe der Eingliederungshilfe eine engere Verbindung über Jahre entsteht. Sie berichtet, dass ihre Klient:innen Beeinträchtigungen haben, die im Alltag unterschiedliche Unterstützung und auch Maßnahmen bedürfen, um Inklusion zu ermöglichen.

Hier einfühlsam zu agieren und die Ressourcen der Betroffenen im Blick zu haben, ist wichtig. Es sensibilisiert Fachkräfte für die individuellen Bedürfnisse und Unterstützungsbedarfe ihrer Bezugsklient:innen. Dies bringt auch eine zusätzliche Verbindung mit sich.

Für betroffene Menschen ist es ein Segen, von herzlichen und einfühlsamen Helfern betreut und versorgt zu werden. Es liegt an uns, wie wir diese Gradwanderung im persönlichen Feld zwischen Berufung und Privatleben ausbalancieren. Hilfe in Ausnahmesituationen gibt es. Trau Dich, diese im Bedarfsfall zu nutzen!

Die Heilerziehungspflege kommt häufig zu kurz in den Medien

Nicht nur während Corona kommen Fachkräfte und auch Betroffene in den Medien sowie den öffentlichen Darstellungen ziemlich kurz. Ich selbst habe lange Zeit unterschätzt, welchen pflegerischen Umfang auch Wohnstätten für mehrfach körperlich behinderte Menschen erfordern.

Heilerziehungspflege ist eine Mischung aus Heilpädagogik und Pflegefach. Dieses Berufsfeld erhält noch weniger Applaus, als die Pflege in Corona Zeiten. Vielleicht arbeitest Du auch in der Heilerziehungspflege? Dann fang an, darüber zu sprechen. Zeig Dein Berufsfeld. Sei transparent. Eine erste Inspiration könnte mein passender Blogartikel sein “Social Media in der Pflege”.

Heilerziehungspflege Burnout
Heilerziehungspflege ist Inklusion

Abschlussworte

Ich danke Dir, dass du den Artikel bis zum Ende gelesen hast. Dein Interesse hat sicher einen Grund. Vielleicht war es das Thema: Helerziehungspflege? Oder das Thema: Berufung? Oder … möchtest Du vielleicht auch einen Gastbeitrag (gern anonym) veröffentlichen und uns an Deiner sozialen Berufung teilhaben lassen? Dann schreibe mir gerne eine E-Mail: hallo@sozial-berufen.de

Oder bist Du derzeit gestresst, ausgelaugt und überfordert? Hilfe gibt es in den unterschiedlichsten Formen. Auch hier auf meiner Website gibt es Angebote für Dich.

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